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Kann die Nahtbeschränkung des Schläfenbeins ein Risikofaktor für akute Otitis media bei Kindern sein?

Die 2012 veröffentlichte Studie gibt Antwort auf diese Frage und ist damit die erste, die die Bedeutung  einer Nahtbeschränkung des Schläfenbeins für die Entstehung einer akuten Mittelohrentzündung  (AOM) genauer untersucht. Die AOM  ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern: Umso mehr ist die Forschung bemüht, die  auslösenden Risikofaktoren zu untersuchen und zu definieren. Darüber hinaus stellt die Beweglichkeit der Schädelknochen einen wichtigen Aspekt in der Osteopathie dar und ist durchaus relevant für die Anfälligkeit für Erkrankungen.


Im Verlauf der Studie wurden 64 Kinder im Alter von 6 bis 18 Monaten – die noch keine AOM hatten – während der kalten Jahreszeit (September 2009 bis April 2010) beobachtet. Per standardisierten Fragebogen wurden zunächst Grunddaten und bereits bekannte Risikofaktoren erfasst, wie z. B. Gewicht bei der Geburt, Einsatz von Schnullern, Aufenthalt in Kindertagesstätten u. a.


Der jeweilige Knochenstatus der Kinder wurde dann mithilfe Palpation sowie einem kranialen Knochenmobilitätstest festgestellt und kategorisiert als (a) mit oder (b) ohne starke Nahtbeschränkung des Schläfenbeins. Beim Mobilitätstest wird  die Wahrnehmung in Richtung  externe Rotation und in der entgegengesetzten Bewegung (interne Rotation) verglichen und bewertet. Ein Knochen mit schwerer Nahtbeschränkung hat keine Übereinstimmung in beiden Richtungen, nahezu vollständigen Widerstand in einer Richtung (externe oder innere Rotation) oder eine sichtbare Verschiebung zwischen den Plattenepithel- und Petrousteilen des Schläfenbeins. Andererseits kann ohne  starke Nahtbeschränkung des Schläfenbeins die Bewegung in beide Richtungen ausgeführt werden, wobei Widerstand nur gegen Ende  der Mobilisierung auftritt.
Zum Vergleich: Wird der Mobilitätstest von einem Osteopathen bei Säuglingen unter 6 Monaten durchgeführt, beträgt die Interrater-Zuverlässigkeit der Ergebnisse 0,58 für den rechten Schläfenknochen und 0,71 für den linken Schläfenknochen.


Bei welcher Kategorie  wurde nun häufiger das  Auftreten von AOM diagnostiziert? Innerhalb der Studie ergaben sich folgende Werte: Eine schwere Nahtbeschränkung des Schläfenbeins wurde bei 23 Kindern (35,9%) festgestellt. Mindestens eine AOM-Erkrankung  wurde  in 14 (48,3%) der Ohren mit temporalen Knochen vorher identifiziert als mit einer schweren Naht-Restriktion. Dagegen wurde bei Kindern ohne strenge Nahtbeschränkung in 28 Ohren (28,3%) eine AOM  diagnostiziert.


Die Studienergebnisse zeigen also, dass es einen Zusammenhang zwischen der Nahtbeschränkung und der Entstehung einer AOM bei Kleinkindern gibt – und dass diese als weiterer Risikofaktor für die Erkrankung einzuschätzen ist.


Die komplette Studie steht hier als Gratis-Download bereit.

Referenz
Morin, Ch., Dorion, D., Moutquin, J.-M., Levasseur, M.(2012). Suture restriction of the temporal bone as a risk factor for acute otitis media in children. BMC Pediatrics 2012, 12:181

Tags: Forschung, Cranio,, Diagnostik

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