Im Mai 2009 hat das staatliche "National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE)" in Großbritannien neue Richtlinien zur Behandlung von Rückenschmerzen veröffentlicht. Die Guideline Development Group hat nach einer Auswertung der vorhandenen wissenschaftlichen Literatur nach medizinischen und ökonomischen Gesichtspunkten  unter anderem folgende Richtlinien erstellt:

•    Erstmalig wird eine nationale Herangehensweise für die Behandlung von Rückenschmerzen bei Kassenpatienten empfohlen. Diese basiert auf Behandlungsmethoden, die sich als besonders effektiv herauskristallisiert haben und typischerweise von Osteopathen durchgeführt werden.

•    Als Standardbehandlung für die Behandlung von Rückenschmerzen wird die Effektivität von Manipulation, Bewegung und Akupunktur unterstützt und empfohlen.

Es wird ausdrücklich abgeraten, standardmäßig Infiltrationen oder bildgebende Verfahren einzusetzen!


Auf der NICE Webseite können Sie die gesamten Richtlinien oder eine Zusammenfassung herunterladen.

Hintergrundinformationen: Die Wirkung der manuellen osteopathischen Behandlung (z.B. Wirbelsäulenbehandlung) bei Patienten mit chronischen oder subchronischen Rückenschmerzen ist größtenteils unbekannt und ihre Verwendung bei diesen Patienten ist sehr umstritten. Dennoch werden manuelle Methoden häufig zur Behandlung dieser Patientengruppe verwendet.

Methode: Es wurde eine randomisierte, kontrollierte Studie durchgeführt, an der Patienten teilnahmen, die seit mindestens drei Wochen und seit nicht mehr als sechs Monaten an Rückenschmerzen litten. 1.193 Patienten wurden untersucht; 178 wurden für geeignet befunden und in einem randomisierten Verfahren den Behandlungsgruppen zugewiesen. 23 Patienten mussten in der Folge aus der Studie entfernt werden. Die Patienten wurden entweder mit einer oder mehreren medizinischen Standardtherapien (72 Patienten) oder mit einer manuellen osteopathischen Therapie (83 Patienten) behandelt. Es wurden verschiedene Ergebnis – Messungen auf der Grundlage der Roland-Morris und Oswestry Fragebögen, visual-analoge Schmerzskala, Messungen des Bewegungsausmaßes, Lassègue-Test verwendet, um die Behandlungsergebnisse nach einem 12-Wochen dauernden Zeitraum beurteilen zu können.

Ergebnisse: Der Zustand der Patienten der beiden Gruppen verbesserte sich während der 12 Wochen. Hinsichtlich der primären Ergebnismessungen gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Gruppe, die osteopathisch behandelt wurde, brauchte signifikant weniger Medikamente (schmerzlindernde, entzündungshemmende und muskelentspannende Medikamente) (P < 0,001) und nahm weniger physikalische Therapie in Anspruch (0,2% gegenüber 2,6%, F< 0,05). Mehr als 90% der Patienten in beiden Gruppen waren mit ihrer Behandlung zufrieden.

Schlussfolgerungen: Die manuelle osteopathische Behandlung und die medizinische Standardbehandlung weisen bei Patienten mit subakuten Rückenschmerzen ähnliche klinische Ergebnisse auf. Allerdings ist der Bedarf an Medikamenten in der Gruppe, die medizinisch behandelt wurde, größer.

A Comparison of Osteopathic Spinal Manipulation With Standard Care for Patients with Low Back Pain
GUNNAR B.J. ANDERSSON ET AL
The New England Journal of Medicine Vol 341 No 19 November 1999

Die Autoren führten eine kontrollierte Fallstudie durch, um festzustellen, ob bei stationären Patienten mit Lungenentzündung jene Reflexpunkte an der vorderen Brustwand vorhanden sind, die Frank Chapman, D.O. beschrieben hat. Dabei wurde besonders auf jene Punkte geachtet, die einen Bezug zur Lunge haben. Neunundsechzig stationäre Patienten nahmen an dieser Studie teil. Die Patienten mit einer bestätigten Pneumonie-Diagnose wurden mit jenen Patienten verglichen, bei denen keine Pneumonie diagnostiziert wurde. Alle Patienten wurden auf jene Reflexpunkte nach Chapman untersucht, die einen Bezug zur Lunge haben. Andere Lungenerkrankungen außer Pneumonie wurden als Ausschlusskriterien behandelt. Die Ergebnisse zeigten, daß ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Präsenz der Reflexpunkte nach Chapman und Pneumonie bei stationären Patienten besteht.

Presence of Chapman Reflex Points in Hospitalized Patients With Pneumonia
KEVIN WASHINGTON ET AL
JAOA Vol 103 No 10 Oktober 2003
http://www.jaoa.org/cgi/reprint/103/10/479

Die Atelektase ist eine vermeidbare Komplikation, die oftmals nach einem chirurgischen Eingriff im Oberbauch auftritt. In unserer einjährigen randomisierten Studie (Versuchsauswerter geblindet) wurden Patienten nach einer Cholezystektomie mit geringem Risiko entweder mit der lympathischen Pumpe am Thorax (n = 21) oder mit einer incentiven Spirometrie (n = 21) behandelt, um die Atelektase zu vermeiden. Die Behandlungsgruppen waren hinsichtlich des Atelektase-Risikos und der Abweichungen der präoperativen Atemparameter (Vitalkapazität - VC und Einsekundenkapazität – FEV1) vom vorhersehbaren Wert gleichwertig. Atelektase trat bei (5%) von 21 Patienten auf, unabhängig davon, ob eine incentive Spirometrie oder eine thorakale lymphatische Pumpbehandlung durchgeführt wurde. Die Patienten der Studiengruppe, die mit der lymphatischen Pumptechnik am Thorax behandelt wurden, erholten sich schneller und kehrten schneller zu den präoperativen VC und FEV1 Werten zurück als die Patienten, die mit der incentiven Spirometrie behandelt wurden.

Comparison of thoracic manipulation with incentive spirometry in preventing postoperative atelectasis
SANDRA L. SLEZESZYNSKI, DO; ALBERT F. KELSO, PHD
JAOA Vol 93 No 8 August 199; S 834-845

Osteopathisch ausgebildete Ärzte, die Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom (FS) behandeln, verwenden oft manipulative osteopathische Techniken in Verbindung mit anderen standardisierten Behandlungsmethoden. Obwohl es immer mehr Beweise für die Effizienz der manuellen Therapie bei der Behandlung von ausgewählten akuten Beschwerden des Bewegungsapparats gibt, ist die Rolle der manipulativen osteopathischen Therapie bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Beschwerden wie Fibromyalgie bis heute relativ unbekannt.

Vierundzwanzig weibliche Patienten, die den vom American College of Rheumatology entwickelten Kriterien für Fibromyalgie entsprachen, wurden in einem randomisierten Verfahren einer der vier Behandlungsgruppen zugeteilt: (1) diese Gruppe erhielt eine Manipulation, (2) diese Gruppe erhielt eine Manipulation und wurde speziell unterwiesen, (3) dieser Gruppe wurde ein feuchtes Tuch auf den Kopf gelegt, (4) Kontrollgruppe, sie erhielt neben der medikamentösen Behandlung keine weiteren Behandlungen. Die Schmerzwahrnehmung der Patienten wurde mittels Schmerzgrenzen an allen 10 bilateralen Tenderpoints und unter Verwendung eines 9-kg Dolorimeters, mittels dem Chronic Pain Experience Inventory und der Present Pain Intensity Rating Scale beurteilt. Die affektive Reaktion des Patienten auf die Behandlung wurde durch Selbstbeurteilung mittels Fragebogen erfaßt. Die Aktivitäten des täglichen Lebens wurden mit dem Stanford Arthritis Center Disability and Discomfort Scales und einem Fragebogen über den Gesundheitszustand beurteilt. Die Depression wurde mit der Depressionsskala des Center for Epidemiological Studies beurteilt.

Es konnten signifikante Ergebnisse zwischen den vier Behandlungsgruppen bei den Messungen der Schmerzgrenze, des subjektiven Schmerzes, der Einstellung zur Behandlung, der Aktivitäten des täglichen Lebens und der subjektiven funktionellen Fähigkeiten festgestellt werden. Alle Ergebnisse sprechen für die manipulative osteopathische Behandlung. So zeigte diese Studie auf, daß die manipulative osteopathische Behandlung kombiniert mit der üblichen medizinischen Behandlung effizienter bei der Behandlung von Fibromyalgie eingesetzt werden kann als die medizinische Behandlung alleine. Diese Ergebnisse müssen in weiteren Studien wiederholt werden, damit beurteilt werden kann, ob durch die Einbeziehung nicht-medikamentöser Ansätze wie der manipulativen osteopathischen Behandlung bei der Behandlung der Fibromyalgie Kosten eingespart werden können.

Osteopathic manipulative treatment in conjunction with medication relieves pain associated with fibromyalgia syndrome: Results of a randomized clinical pilot project
RUSSEL G. GAMBER, DO; JAY H SHORES, PHD; DAVID P. RUSSO, BA; CYNTHIA JIMENEZ, RN; BERNARD R. RUBIN, DO
JAOA. Vol. 102, No 6, June 2002. S 321-325
http://www.jaoa.org/cgi/reprint/102/6/321

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